Der Steinbacher Friedhof im Wandel

10. Juli 2019

Im Laufe der Zeit ist unser Steinbacher Friedhof immer mehr zu einem besonderen Ort des Innehaltens in Gedenken an die Verstorbene geworden. Eine Zunahme der Urnenstelen, die von Angehörigen gern angenommen werden und mehr Bänke zum Ausruhen wurden geschaffen. Auch eine Grabstätte für Angehörige des muslimischen Glaubens wurde geschaffen. Für die FDP-Ferienfraktion war die weitere, zukünftige Entwicklung ein Grund, interessierte Bürgerinnen und Bürgern einzuladen, um zu hören, ob sie mit der derzeitigen Gestaltung zufrieden sind oder sie vielleicht Verbesserungsvorschläge haben. Das Interesse war sehr groß. FDP-Fraktionsmitglied Ulla Nüsken begrüßte die Besucher und gab einen ausführlichen Überblick über den Steinbacher Friedhof. Stellvertretender Fraktionsvorsitzender Kai Hilbig ergänzte mit einigen geschichtlichen Ausführungen.

Fangen wir aber erst einmal mit der Geschichte unseres Friedhofs an: Bis zum Jahr 1844 wurden Angehörige auf dem Friedhof der evangelischen Kirche bestattet. Steinbach wuchs und es wurde entschieden, einen Friedhof außerhalb der Stadtgrenze zu bauen. Damals hatte der neue Friedhof ca. 20% des Platzes des heutigen Friedhofes eingenommen. Der Haupteingang am Praunheimer Weg ist nach wie vor geblieben. Eine kleine Leichenhalle war der Mittelpunkt des damaligen Friedhofs. Die Trauerfeier fand noch in der Kirche statt und die Verstorbenen wurden im Anschluss zu Grabe getragen. Im Jahr 1956-1958 wurde eine Trauerhalle aus Holz errichtet, so dass die Trauerfeier sowie die Beerdigung am Friedhof stattfinden konnten. Viel Platz war in dieser Trauerhalle nicht, aber bei größeren Beerdigungen wurden draußen Sitzbänke bereitgestellt, damit die Trauernden die Feier begleiten konnten. Irgendwann wurde auch diese Trauerhalle zu klein, so dass man Anfang der 1980er Jahre entschied, eine größere Trauerhalle zu bauen. Finanziert wurde die neue Trauerhalle aus dem Verkauf des Gipfelgrundstücks Altkönig an das Land Hessen. So konnte man eine schöne und größere Trauerhalle bauen.  Das restliche Geld wurde für die Altkönighalle am Sportplatz verwendet.

Es gibt insgesamt ca. 2.000 Grabstellen auf unserem Friedhof, davon sind inzwischen ca. 90% Urnengräber.  Und wie sich die Zeiten ändern, sieht man auch auf unserem Friedhof. Früher waren Familiengräber fester Teil des familiären Bestandes. Jeder wusste, wenn es einmal soweit ist, werde ich auch hier bei meinen Angehörigen bestattet. Heute gibt es diese Vorstellung eigentlich nicht mehr. Zudem leben viele Menschen nicht mehr in der Nähe ihres Elternhauses. Mobilität und die Erfordernisse eines modernen Erwerbslebens haben ortsfeste Familienmitglieder in andere Regionen verteilt, und neue Lebensmittelpunkte mit eigenen Beziehungen haben sich gebildet. Die Beerdigung und das Grab sind dann auch meist dort und nicht am Heimatort. So haben sich auch in Steinbach weitere Möglichkeiten der Bestattung entwickelt. Zum Beispiel Reihengräber für Erdbestattungen und später auch Urnengräber. Eine neue Bestattungsform in den letzten Jahren sind die Urnenstelen, die inzwischen von vielen Angehörigen bevorzugt werden, da sie nicht so pflegeintensiv sind wie ein Reihen- oder Urnengrab. Auch der Wunsch des Verstorbenen anonym beerdigt zu werden, kann in Steinbach umgesetzt werden.

Da es inzwischen so viele Urnenstelen gibt, sind auch sehr viele grüne Flächen am Friedhof entstanden, wo Familien- und Reihengräber in der Zwischenzeit entfernt worden sind. In der Mitte des Friedhofes ist eine größere Grünfläche entstanden. Eine Idee wäre, dass diese Wiesenfläche für Familien- oder Freundschaftsbäume verwendet werden kann.  So kann dies einer ganzen Familie, einem Freundeskreis oder aber auch einer Einzelperson als Ruhestätte dienen. Zuerst müssten aber Bäume gepflanzt werden, die dann in 15 bis 20 Jahren für solche Zwecke dienen können.

Eine andere Idee wäre es, die Urne auf der grünen Wiese zu bestatten. Auf einem Rasenstein oder einer kleinen Grabplatte, die jeweils bündig im Erdreich verlegt werden, könnten der Name des Verstorbenen eingraviert werden. So bleibt eine grüne Wiese, die gemäht werden kann.

Abschießend kamen wir am südlichen Teil des Friedhofs an.  Hier wurde in den letzten Jahren eine Grabstätte für Angehörige des muslimischen Glaubens geschaffen. Unterhalb dieses Bereiches hat die Stadtverwaltung inzwischen das Eingangstor und die Zaunumrandung entfernt, so dass ein fließender Übergang zur Steinbachaue gegeben ist.  Außerdem wurde ein neuer barrierefreier Eingang geschaffen.  Hier merkt man, wie offen und einladend ein Friedhof wirken kann.  Natürlich gab es besonders zu diesem Punkt Diskussionen. Vielleicht wäre es besser diesen Bereich wieder zu schließen, um die Ruhe der Verstorbenen zu bewahren. Andere waren der Meinung, dass der Friedhof nun ein parkähnliches Aussehen bekommen hat und so die hier Bestatteten dennoch mitten im Leben ihre letzte Ruhe finden. Es müsste aber an den neuen Eingängen eine angepasste, zeitgemäße Friedhofsordnung geben. Diese sollte nicht unbedingt in zwei Metern Höhe angebracht sein, so wie es im Moment der Fall ist, sondern auf Augenhöhe.

Am Ende waren wir uns alle einig:  unser Steinbacher Friedhof kann sich wirklich sehen lassen und lässt dennoch Raum für neue Entwicklungen!