Redebeitrag zum Thema: Entwicklung eines Gründerzentrums von Kai Hilbig

8. Juni 2020

Antrag FDP und SPD – Entwicklung eines Gründerzentrums

Sehr geehrter Herr Stadtverordnetenvorsteher, sehr geehrte Damen und Herren vom Magistrat, sehr geehrte Kollegen, liebe Bürger,

die deutsche Wirtschaft steht in diesen Tagen besonders stark im Fokus: sie muss stabil und kraftvoll bleiben, damit wir die direkten negativen Folgen der Pandemie möglichst geringhalten. Sie muss aber auch stabil und kraftvoll bleiben, damit wir die langfristigen Folgen der heutigen Wirtschaftsförderungen und Soforthilfen meistern können. In diesem Zusammenhang möchte ich kurz aus eigener Erfahrung berichten und sprechen:

Für kleinere Unternehmen mit 10 Angestellten, waren die bisherigen Überlegungen, Entscheidungen und Soforthilfen ein Segen. Auch die Möglichkeiten zu einfachen Krediten werden möglicherweise das Überleben sichern können. Mir und uns haben die Berliner Entscheidungen und die hessischen Umsetzungen bisher schnell und zielgerichtet geholfen.

Aber das kann nicht jede Branche und jede Unternehmensform von sich behaupten. Besonders die vielen ganz kleinen Selbstständigen werden es noch sehr schwer haben. Ich hoffe, dass sie es schaffen werden.

Das ist nicht nur mein persönlicher Wunsch an und für jeden einzelnen Betroffenen, nein, das ist auch für jeden von uns wichtig: Deutschland lebt von der Vielfalt, von dem Unternehmerreichtum und dem Mut einzelner, die eigene Unternehmen gegründet haben oder noch gründen werden. Die deutsche Wirtschaft ist die Summe dieses Mutes!

Besonders wenn ich mich an meine unternehmerischen Anfangszeiten erinnere, dann wird mir immer wieder bewusst, wieviel Blindflug nötig war, wie viel Glück es bedurfte und vor allem, wie schwer es war sich zu etablieren, um Zugang zu dem Notwendigsten der Wirtschaft zu bekommen.

Mal eben Büroräume anmieten?

Mal eben Lagerräume beschaffen?

Mal eben kreative Plätze und Werkstattmöglichkeiten finden?

Oder Finanzierungen? Oder einen Rat?

Ich glaube, ich muss Ihnen hier nicht erzählen, wie schwer das für jemanden ist, der noch nichts vorzuweisen hat, außer ein paar möglicherweise genialen Ideen. Ideen, die auch die Welt verändern könnten.

Wenn die deutschen Garagenverordnungen weltweit gültig gewesen wären, dann würden wir heute möglicherweise weder von Digitalisierung noch von einer globalen Wirtschaft mit Microsoft oder Apple-Produkten sprechen.

Wir brauchen Unterstützungen für junge angehende Unternehmer! Ein Gründerzentrum könnte dabei helfen. Günstigere Räumlichkeiten mit angepassten und flexiblen Mietverträgen. Moderne Infrastrukturen in der Kommunikation. Vielleicht sogar Beratungen und Unterstützungen bei Fragen rund um das Unternehmersein. Das alles zum Beispiel hätte ich mir gewünscht – das alles könnte ein Gründerzentrum bieten.

Ein Gründerzentrum: Spontan sehe ich immer das Samsung-Hochhaus im alten Gewerbegebiet. Ein Haus mit vielen Büroeinheiten, mit viel Platz, möglichweise mit viel Gemeinsamkeiten, mit vielen Ideen… kurz: Einen Turm der Zukunft, der ins Rhein-Main-Gebiet strahlen könnte.

Nun ist das sogenannte „Samsung-Hochhaus“ in privatwirtschaftlicher Hand und unterliegt seinen eigenen wirtschaftlichen Regeln und Märkten. Aber als Bild darf es hier zur Verdeutlichung dienen.

Wir sehen die Stadt mit diesem Antrag nicht zwingend als Bauherrn oder Betreiber einer solchen Einrichtung – aber wir sehen die Stadt als Türöffner, als Vermittler. Und das im eigenen Interesse: eine funktionierende Wirtschaftsstruktur wirft immer Synergien ab. Auch für die bisher vorhandenen Wirtschaftsgruppen.

Auch wenn die aktuellen Tage nicht für große Träume gemacht sind: wir müssen dennoch nach vorne schauen. Unsere deutsche Wirtschaft wird nicht mit einem weiter so überleben – sie braucht Impulse und neue Denkanstöße.

Denken wir anders – denken wir groß

Nur so sind wir schon für das Morgen bereit und können dafür heute den ersten Schritt machen.

Wir bitten um Zustimmung zu unserem Antrag.